zeichnen

Zeichnen kann jeder – zumindest kann es jeder lernen. Was oft einfach aussieht ist leider gar nicht so leicht. Zeichnen braucht vor allem sehr viel Übung

Zudem ist es die Grundlage aller Kunstformen und bietet große Vorteile. Es ist kostengünstig und kann quasi immer und überall ausgeführt werden. Aber wie zeichnet man?

Um dir eine Starthilfe zu geben und die Grundlagen zu erklären, habe ich diese Schritt für Schritt Anleitung für dich erstellt.

Deinen Arbeitsplatz einrichten

Arbeitsplatz zum Zeichnen einrichten

Am besten richtest du deinen Arbeitsplatz direkt an einem Fenster aus um genügend Licht zu bekommen. 

Ideal ist natürlich ein großzügiger Schreibtisch mit natürlichem Licht das von Norden kommt und genügend Platz für Ablagefläche.

Wenn du nachts arbeitest brauchst du eine ausreichende Beleuchtung, damit deine Zeichnungen nicht verfälschen.

Das Material

Beginne am besten mit einer günstigen Grundausstattung und kaufe dir nach und nach besseres Material dazu. Damit du aber von Anfang an schöne Bilder zeichnen kannst, solltest du wissen, welche Ausstattung besonders für Anfänger geeignet ist. 

Etwas Materialkunde hilft dir auch, gleich zu Beginn solides Material zu verwenden.

Skizzenbücher

Skizzenhefte mit praktischer Bindung gibt es in vielen Größen und mit unterschiedlichem Papier. 

Für zu Hause eignen sich auch größere Formate wo du in Ruhe  vorzeichnen kannst. Auf Reisen und im Freien empfehle ich dir eine Größe von Maximal A3

Eine gute Wahl sind Blöcke mit Spiralbindung und schwach gekörntem Papier von mittlerem Papiergewicht.

Zeichenpapier

Für die Reinzeichnung deines Motivs wählst du ein Einzelblatt. Diese sind in unterschiedlichen Ausführungen erhältlich. 

Von feinstem weißen Papier mit leichter Körnung bis zu Papier mit hohem Holzgehalt und grober Körnung gibt es viele Varianten. 

Du hast die freie Auswahl!

Kohlepapier

Beim Zeichnen mit Kohle haften die Kohlepartikel nur lose auf dem Zeichengrund. Kohlezeichnung verwischen dementsprechend leicht.

Für das Zeichnen mit Kohle eignen sich am besten spezielle Papiersorten mit rauer Oberfläche vom Fachhandel.

Zeichnen lernen mit Bleistift

Bleistifte werden in verschiedenen Härtegraden unterteilt. Die Bezeichnung „H“ steht für hart und „B“ für weich

Dazu gibt es eine Abstufung in Ziffern wie zum Beispiel 2H, 5H oder 8B. 

Je höher die Zahl, umso stärker die jeweilige Ausprägung des Härtegrades. 6B ist demnach sehr weich und 4H schon sehr hart. 

Probiere einfach alle Härtegrade in einem Geschäft aus. Die meisten Fachgeschäften bieten diesen Service ohnehin. Kaufe dir die Härtegrade die dir zusprechen. Meine Startempfehlung für dich wäre 1 x 2H, 1 x HB, 1x 4B. So deckst du die Palette relativ gut ab.

Radiergummi

Einen knetbarer Radiergummi brauchst du auf alle Fälle.

Dieser lässt sich zu kleinen Stückchen formen und du kannst mit ihm auf kleinster Fläche radieren. Kunststoffradiergummis sind besser für größere Flächen geeignet. 

Immer vorsichtig radieren um das Papier nicht zu beschädigen…

Papierwischer

Mit der Spitze von Papierstiften kannst du kleinen Bereiche verreiben, für die Finger und Tücher zu dick sind. 

Diese gibt es in verschiedensten Größen und sind überaus praktisch. Wenn das Papier abgenutzt ist, trennt man einfach einen Streifen ab. 

Günstige Alternative: Wattestäbchen

Künstlermesser

Künstlermesser sind unschlagbar wenn es um das Schneiden von Papier geht. Ebenfalls werden sie zum Bleistiftspitzen verwendet. 

Vor allem würde ich sie bei Collagearbeiten empfehlen. 

Vorsicht! Diese Dinger sind so scharf wie ein Skalpell.

Fixiersprays

Eine Zeichnung kann mit Fixiersprays haltbarer gemacht werden. Die Sprays dunkeln jedoch die Grautöne sehr stark ab und lässt diese fast schwarz erscheinen. 

Es gibt aber nichts besseres um Kohlezeichnungen haltbar zu machen.

DIE ZEICHNEN LERNEN SCHRITT FÜR SCHRITT EINKAUFSLISTE

  • Bleistiftsortiment (1x 2H, 2x HB, 1x 4B)
  • 1x Kohlestift
  • 1x knetbarer Radiergummi
  • Set aus verschiedenen Größen Papierwischer
  • A3 Skizzenblock
  • A4 Druckerpapier für Skizzen und zum Üben
  • 1x Spitzer

Linien zeichnen

Die Wirkung die eine Zeichnung auf den Betrachter ausübt, wird in erster Linie davon geprägt wie der Künstler die Linien und Schraffieren einsetzt. Jede Linie hat eine bestimmte Charakteristik

Den Charakter einer Linie bestimmst du im wesentlichen durch zwei Dinge. Ob du schnell oder langsam zeichnest und wie viel Druck du dabei ausübst. 

Je schneller und schwungvoller eine Linie gezeichnet wird, umsolebendiger“ wirkt diese. 

Diese Linie wurde sehr schnell und mit viel Druck gezeichnet. 

Hier wurde mit sehr wenig Druck und recht zögerlich auf das Papier gezeichnet.

Diese Linie ist mit sehr viel Druck, aber sehr kontrolliert gezeichnet. 

Die Haltung des Stiftes

Unterschiedliche Grifftechniken ermöglichen dir unterschiedliche Striche und LinienWenn du zum Beispiel den Griff änderst mit dem du den Stift hältst, so verändert sich das Bild der Linien. 

Ob der Bleistift frisch gespitzt oder stumpf ist, beeinflusst eine Zeichnung auch sehr stark. Auch die Art der Mine wirkt sich auf die Striche aus. 

Welche Art der Stifthaltung vorteilhaft ist, hängt vom Stil der gewünschten Zeichnung ab. Feine Details gelingen dir am besten mit einem gut gespitzten Bleistift, den man wie beim Schreiben hält.

Schattierungen wiederum lassen sich besser mit einem flach aufgesetzten Stift darstellen.

Unterhand-Position

Eignet sich vor allem für große, lockere Skizzen

Bleistift oder Zeichenkohle können so gehalten werden, um breite Striche zu zeichnen, zum Beispiel für großflächige Schattierungen

 

Mittelhand-Postition

Diese Haltung empfiehlt sich, um die ersten Striche und Winkel zu Papier zu bringen. Mit dieser Stifthaltung gelingen präzisere Striche und die Wirkung ist relativ „locker“.

Für schnelle Skizzen um Licht und Schatten anzudeuten.

Schreibhaltung

In dieser Haltung lässt sich der Stift sehr genau führen, darum eignet sie sich vor allem für Details und Akzente, die präzise gezeichnet werden müssen. 

Wichtig ist, immer mit einem gut gespitzten Stift zu zeichnen.

ÜBUNG – STIFTE KENNENLERNEN

Lerne das Material kennen und zeichne sowohl mit einem gespitzten Bleistift als auch mit einem stumpfen. Beginne mit einfachen parallelen Strichen in unterschiedlichen Richtungen. Probiere Kreise und Spiralen zu zeichnen. Versuche längere Striche mit unterschiedlichen Stärken auf das Blatt zu bringen. Probiere dich aus und lern das Material kennen!

Die wichtigsten Schraffurentechniken

Schraffuren dienen dazu, die Hell-Dunkelbereiche eines Motivs hervorzuheben. Also Licht und Schatten damit anzudeuten. Erst durch die Schraffieren wirkt ein Objekt dreidimensional.

Das Wichtigste beim Schraffieren ist das genaue arbeiten. Schraffiere mit möglichst gleichen auf- und abbewegungen und gleite dabei sanft über die Stellen an der du arbeitest. 

Eine zu dunkel geratene Stelle auszubessern ist sehr schwierig, also taste dich nur langsam heran.

Die folgenden Schraffuren reichen aus um alles zeichnen zu können.  

Parallelschraffur

Zeichne einfach parallele Striche. Je geringer der Abstand zwischen den Strichen ist, desto dunkler wird die Stelle.

Um eine gleichmäßige Fläche zu erzeugen hältst du die Abstände zwischen den Strichen relativ gleich. 

Kreuzschraffur

Für stärkere Schatten und dunklere Stellen verwende Kreuzschraffuren. 

Je mehr Striche sich überkreuzen, desto dunkler wird der Bereich.

Formlinien

Formlinien sind Schraffuren, deren linien parallel angeordnet sind und sich an die Form des Objektes anpassen.

Durch die diese Art erhältst du einen hohen Grad an Dreidimensionalität.

Getüpfel

Auch aus vielen kleinen Punkten und Strichen kann man Objekte formen. Dieser Stil heißt Pointillismus

Durch das mehr oder weniger dichte Aneinandersetzen der Punkte oder Striche entstehen hellere oder dunklere Flächen.

Verreiben

Sehr feine Übergänge schaffst du mit dem verwischen.

Dazu wird ein Papierwischer, Tuch oder Wattestäbchen verwendet. 

Freie Schraffuren

Schnell gezeichnete, fast gekritzelte Linien können auch eine Schraffur ergeben. Hierbei gibt es keine Regeln.

Zeichne so, wie es dir beliebtWird oft in Skizzen angewendet. 

Die Grundformen

grundformen zeichnen

Grundsätzlich gibt es nur vier Grundformen, auf die sich fast jedes Objekt reduzieren lässt – Rechteck, Dreieck, Kreis und Quadrat. Mit wenigen Strichen lassen sich diese in räumliche Gegenstände verwandeln. 

So wird aus einem Rechteck ein Zylinder, aus einem Dreieck ein Kegel, aus einem Kreis eine Kugel und aus einem Quadrat ein Würfel.

Formen schraffieren

Lichtreflexe und Schatten geben den Objekten die räumliche Wirkung. Dazu musst du beim Zeichnen erst erkennen woher das Licht kommt. In den Beispielbildern oben kannst du sehen, dass das Licht von links auf die Körper scheint. 

Zeichne zuerst die Schatten, die das Objekt wirft. Die Schatten werden unterschieden in:

  • Kernschatten: Die dunkelste Stelle des Schattens. Dieser liegt immer der Lichtquelle gegenüber.
  • Schlagschatten: Diesen wirft das Objekt auf seine Unterlage.
  • Lichtreflex: Ist dort wo das Licht direkt auf das Objekt auftritt und die Reflexion am Stärksten ist. 

Achte darauf, dass das reflektierte Licht, das des Schlagschattens ebenfalls aufhellt. 

ÜBUNG – KÖRPER SCHRAFFIEREN

Jetzt haben wir die wichtigsten Schraffurtechniken und unsere Grundformen kennengelernt. Zeit das gelernte in die Praxis umzusetzen. 

Zeiche dir die Grundformen wie oben abgebildet auf und simuliere den Lichteinfall mithilfe eines Pfeiles. Lasse zur Übung das Licht diesesmal von Rechts oben kommen und schau wie sich die Schatten nun auswirken. 

Das richtige Sehen lernen

zeichnen lernen das sehen lernen

Die Gabe des richtigen Sehens ist einer der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Fähigkeit eines guten Zeichners

Sieh dir anfangs dein Objekt ganz genau an und erkenne sämtliche Details, Konturen, Glanzlichter und Schatten. 

Beim Zeichnen vernachlässigst du erstmals die Details und vereinfachst dir dein Motiv so stark wie möglich. 

Ab jetzt denkst du nur noch in Kreisen, Dreiecken, Rechtecken und Quadraten. Damit fertigst du dir eine erste Skizze an und ziehst gedanklich schon deine Konturen. 

Im nächsten Schritt kannst du dir die Schatten und Lichter vorstellen, um das Objekt zu dreidimensionalisierenDu wirst bemerken, dass wir jedes noch so komplizierste Objekt in einfache Formen wandeln können und so auch später relativ einfach zeichen können.

Du musst erst lernen die verschiedenen Gegenstände richtig wahrzunehmen und ihre Eigenschaften zu erkennen. Nur so kannst du auch lernen diese richtig zu zeichnen.

Nehmt euch ein Foto zur Hand und zeichnet die Grundformen darin ein. 

Dies ist eine hervorragende Übung. Diese kann mit Menschen und Tieren gleichermaßen durchgeführt werden. 

Wer diese Vorgehensweise zu verschiedenen Motiven oft übt, der wird sehr schnell Fortschritte feststellen können. 

Perspektive Zeichnen

Übung macht den Meister

Ich kann es nicht oft genug sagen, wie wichtig tägliches Üben beim Zeichnen lernen ist.

Wer ein Jahr lang jeden Tag eine Zeichnung erstellt, der wird feststellen wie schnell man ein gutes Gefühl für das Material bekommt und die Fähigkeiten sich dabei verbessern. 

Meine Herausforderung an dich heißt 90 Tages Challange. Zeichne jeden Tag ein Bild und das 90 Tage lang. Ich bin überzeugt davon, dass deine Skills sich hundertfach verbessern!

Hier bekommst du weitere Tipps und Tricks zum Thema Zeichnen:

12 Tipps & Tricks für Anfänger für bessere Zeichnungen

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